No image available

Atem der Bücher: die Bibliothek


By


Abstract

"Der heutige Wissenschaftsbetrieb favorisiert 'Daten', 'Fakten', alles Zähl- und Messbare. Doch hier beginnt ja erst eigentlich die Arbeit, die Erschliessung der Beweggründe, die Entschlüsselung all der Umstände, all dessen, was wenigstens in die Nähe der zugrundeliegenden Einsichten und Erkenntnisse führt. Der Vorteil einer--der Sinneswahrnehmung unmittelbar zugänglichen, weil physisch vorhandenen--Forschungsbibliothek liegt darin, dass diese Wege in Aufbau und Anordnung einer Bibliothek, in den erstellten und sichtbaren Vergleichungen und Verbindungen bereits angelegt sind. 'Aufbau und Anordnung einer Bibliothek', dies wird in der digitalen Welt meist verleugnet, die sich stattdessen auf beliebige neue Vernetzungen im unübersichtlichen, unendlichen Meer von Daten verlässt und keine Mühe scheut, diese Haufen täglich noch grösser werden zu lassen. Wer umgekehrt auf die schon immer in ganz präzis abgewickelten und überblickbaren Räumen gestaltete Wissenswelt als Grundlage vertraut--nicht blindlings, sondern in kritischer Distanz--und darauf aufbaut, kommt in den Vorzug der Erfahrung und des Gebrauchs all jener Mittel und Instrumente, die längst entwickelt und beschrieben worden sind. Eine auf diese Weise auf der Grundlage der 'comparanda eruditio' aufgebaute Bibliothek ist natürlich wie üblich über elektronische Mittel zugänglich; diese dienen der Identifikation und Auffindbarkeit des einzelnen Buches. Doch durch die interne, erweiterte, über inhaltliche Ähnlichkeiten bewirkte Vergleichung und Vernetzung entwirft und baut sich die Bibliothek zusätzlich einen 'Mikrokosmos', in dem all diese Elemente nicht nur enthalten, sondern in Bewegung und aktiviert sind. Bei den notorisch komplexen, häufig aus unterschiedlichen Teilen zusammengefügten Quellentexten und 'Alten Drucken' wird erst auf diese Weise ein für die einschlägige Forschung zusätzliches, hilfreiches Instrument gebildet. Es beginnt bei der Aufstellung der Bücher, die entsprechende Gruppen--in neuer Bibliothekssprache 'Ontologien'--berücksichtigt, abbildet und dem Nutzer mitsamt zusätzlichen Instrumentarien zur Verfügung stellt. Die Vitruvausgaben stehen so beispielsweise im selben 'armarium' oder Schrank und vereinfachen die (Such-)Arbeit des Nutzers. Die zu Beginn zitierte, häufig an uns gerichtete Frage: 'wie macht man eine Bibliothek'--und das Korrelat Raymond Roussels 'Comment j'ai écrit certains de mes livres'--, führt also in überzeugender Weise zu jener einfachen Kant'schen Antwort: 'man solle schlechthin auf eine gewisse Weise verfahren'. Und wir wissen, dass hier im Kern durchaus Verbindlichkeit gefordert und das Wahre und das Ganze angestrebt bleibt. Was in den in diesem Buch folgenden, selbst miteinander verbundenen und öfters sich überlappenden oder wiederholenden Teilen dargelegt ist, lässt auch erkennen, wie mühsam der Weg zu einer offenen und lebendigen Bibliothek ist."-- Vorwort (pages 22-23).

Contributors


Publisher

  • Publication

    Basel: Colmena, 2023

  • Year


Is about

  • Subject


Type

  • Language


Classification

  • ISBN

    • 9783906896168
    • 3906896161

Annotations / title notes

  • Notes

    • "Edition Bibliothek Werner Oechslin"--Title-page verso.
    • "Die Publikation ist Teil der Jubiläumsreihe zum 70. Geburtstag von Werner Oechslin"--Title-page verso.
    • "Erscheint als Sondernummer des Bulletins Scholion--Scholion 14/15, 2023"--Title-page verso.

Online resources


Persistent URL